Um Ihnen einen Einblick ins Thema Leitbildentwicklung zu geben, finden nachstehend einen Beitrag zum Thema.

 

Interview - zehn Fragen und Antworten rund um das Thema Leitbildentwicklung für Schulen

 

Erscheinungsort: Homepage Selbstverantwortete Schule

 

22. Juni 2007

Im Rahmen der Schulreform SvS spielt die Leitbildentwicklung für Schulen eine wichtige Rolle auf dem Weg zur selbstverantworteten Schule. Andreas Kuschnereit und Michael Reichmann von der SvS-Internetredaktion sprachen mit der Organisationsberaterin Ines Stade über die Leitbildentwicklung für Schulen.

Ines Stade im Gespräch mit SvS-Reporter Michael Reichmann

 

Was ist ein Leitbild?

 

Ines Stade:

In einem Leitbild wird die Grundhaltung formuliert, mit der sich eine Organisation in ihrer Tätigkeit nach innen und außen orientiert. Ziele und Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit werden festgelegt und zentrale Regeln und Verfahren, wie man mit bestimmten Themen gemeinsam umgeht. Ein Leitbild ist also die Kernaussage, das, was die Schule kennzeichnet, was sie als besonders dastehen lässt, was sie von anderen unterscheidet.

 

Wie sieht so ein Leitbild aus?

 

Ines Stade:

Ich befürworte Leitbilder, die auf eine Seite passen. Sicherlich kann man ein 10-seitiges Leitbild erstellen. Nur für jemanden, der sich das anschaut, für Eltern oder jemanden, der sich orientieren möchte, ist meistens etwas Kurzes, etwas Prägnantes aussagekräftiger.

Die Leitbildprozesse, die ich bisher begleitet habe, hatten meistens sechs bis acht sehr kurze und sehr einfache Fragen wie Wer sind wir?, Welche langfristigen Ziele haben wir? oder Wie wollen wir miteinander umgehen? und Wie wollen wir unser äußere und interne Kommunikation gestalten? Anhand der Antworten haben wir dann versucht, zum jeweiligen Leitbild zu kommen.

 

Ist das Leitbild so etwas wie die Philosophie einer Organisation?

 

Ines Stade:

Das, was ich meine, ist noch etwas Prägnanteres als die Philosophie. Also: Wer sind wir? Was ist unsere Kernkompetenz? – das sind die Kernaussagen, die eine Schule kennzeichnen. Ich habe das für meine eigene Firma auch gemacht. Das nennt sich dann nicht Leitbild, sondern Kernkompetenzen und besteht aus fünf bis sechs Sätzen. Auch ich habe viele Wochen daran gesessen, weil es schwer fällt, sich kurz und klar auszudrücken. Das fällt übrigens auch vielen Schulen schwer. Von daher würde ich es an der Schule nicht Philosophie nennen, denn das fordert wieder heraus, sich hochgeistig damit auseinander zu setzen. Ein Leitbild sind eher klare, deutliche Botschaften.

 

Wer sollte an der Entwicklung eines Leitbildes beteiligt werden?

 

Ines Stade:

Ich habe meist in die Leitbildprozesse alle Mitarbeiter einer Schule einbezogen. Das kann man auch anders machen, beispielsweise mit allen Beteiligten einer Schule und dann sind auch die Eltern und Schüler mit im Boot. Das war bei meinen letzten beiden Schul-Beratungen allerdings nicht so. Beide Schulen haben vorher Entwicklungsbedarf festgestellt, was dann zu meinem Auftrag geführt hat. Und ich habe beiden Schulen dann geraten einen Leitbildprozess zu machen.

 

Also ging es zu Beginn Ihrer Beratung noch gar nicht um eine Leitbildentwicklung?

 

Ines Stade:

Es ist häufiger so, dass sich der Bedarf nach einer Leitbildentwicklung erst im Beratungsprozess ergibt. Mein Anspruch als Beraterin ist es, mir das anzuhören und dann auch zu beraten, was in den speziellen Fällen gut wäre. Bei der Ida-Ehre-Schule habe ich die Steuergruppe begleitet, und dadurch hat sich das ergeben. Die wollten eine pädagogische Konferenz machen und haben mir ihre Problematik geschildert. Dann habe ich ihnen zu einem Leitbildprozess geraten, weil ich das Gefühl hatte, dass ihnen das weiterhelfen würde. Bei der Ganztagsschule St. Pauli war das etwas anders. Die wollten ihre Öffentlichkeitsarbeit verstärken. Wir haben dann daran gearbeitet, dass sie erst gemeinsam ein Leitbild entwickeln, weil sie dargestellt haben, dass sie in der Öffentlichkeit und an der Schule zwar sehr aktiv sind, aber dass jeder mit einer anderen Stimme spricht. Also haben wir einen Leitbildprozess gemacht, und die Schule hat ihr PR-Konzept dann auf dieses Leitbild abgestimmt.

 

Der Begriff Leitbild bzw. Leitbildentwicklung kommt wahrscheinlich aus der Unternehmensentwicklung – was bedeutet Leitbildentwicklung für eine einzelne Schule?

 

Ines Stade:

Ich weiß jetzt nicht, ob es in Unternehmen angefangen hat. Es ist auf jeden Fall etwas, das in vielen Unternehmen inzwischen Alltag ist. Was aber auch, wie ich finde, einen Pseudocharakter hat. Wenn man sich die Leitbilder von Firmen anschaut, stehen immer so wunderbare Sätze darin, die auch manchmal recht ähnlich klingen: wie gut man doch sein will und was man alles Tolles machen will. Für mich ist das eher eine Vision. Eine Vision ist etwas, was eventuell nie erreicht wird. Etwas, was mir zeigen soll, in welche Richtung ich gehen möchte und wo ich am liebsten einmal hinkommen möchte. Es muss aber nichts sein, was ich tatsächlich zu hundert Prozent erreiche. Das Leitbild ist im Gegensatz dazu etwas, das meinen Ist-Zustand, das was ich hier mache in der Schule und das, worum ich mich ganz konkret bemühen möchte, beschreibt. Es gibt übrigens eine Reihe von Schulen, die schon ein Leitbild haben.

 

In welcher Weise profitiert denn eine Schule von einem eigenen Leitbild?

 

Ines Stade:

Von einem Leitbild kann eigentlich jede Schule sehr profitieren, weil das sozusagen eine Absprache untereinander ist: Auf was wollen wir uns hier in unserem Kollegium mit 80 Leuten einigen? Wenn man die Kolleginnen und Kollegen kennt, dann weiß man, dass sich jeder als Individuum und sehr differenziert sieht. Da ist das nicht unbedingt Standard, dass man mit einer Stimme spricht. Bei allen Vorhaben, die Schulen haben, besonders jetzt bei den Ziel- und Leistungsvereinbarungen aber auch schon bei den Schulprogrammen, ist es eine Frage, wofür sich die jeweiligen Schulen eigentlich entscheiden wollen. Häufig geht es sehr in die Breite. Viele Schulen sind sehr aktiv, machen viel, haben viele Projektgruppen. Aber es fehlt manchmal so ein bisschen der rote Faden. Wenn ein Projektmanagement hochgezogen wird und es Projektgruppen gibt, sollte man sich fragen, zu welchen Themen die eigentlich arbeiten, und mit welchem Auftrag und mit was für Ergebnissen sollen die einmal abschließen.

Wenn Sie aber ein Leitbild haben und das auch leben, dann müssen sie zunächst schauen, was das Leitbild sagt, und dann sollten die Projekte, die Ziel- und Leistungsvereinbarungen und alles, was es heute so gibt, auch immer in diese Richtung gehen. Dann hat man auch einen abgestimmten Schulentwicklungsprozess. Das ist ja das, was von vielen gewünscht und als positiv gewertet wird. Dabei kann ein Leitbild sehr helfen.

 

In welcher Weise profitieren die an Schule Beteiligten von einem Leitbild?

 

Ines Stade:

Für Eltern, die ihr Kind in einer Schule anmelden wollen, ist es eine sehr schöne Orientierung. Mit dem Leitbild gibt es eine erste Aussage, die sie sich auch relativ schnell durchlesen können. Wenn das Kind schon an der Schule ist, dann können Eltern auch darauf Bezug nehmen und anmahnen, wenn ein Punkt in der Schule vermisst wird. Für Schüler ist ein Leitbild meines Erachtens auch eine gute Orientierung, für die Lehrer bzw. das Kollegium sowieso. Deswegen würde ich jeder Schule raten, das Leitbild möglichst mit den Schülern und Eltern zusammen zu entwickeln.

Wenn sich Schule auf den Weg macht, Schulentwicklung zu betreiben, sollte die Leitbildentwicklung relativ am Anfang stehen. Das ist auch etwas, was in kurzer Zeit etwas bündeln kann, etwas, das eine wichtige Aussage für den weiteren Prozess macht. Das Leitbild ist etwas Abgeschlossenes. Da hat man das Gefühl, dass man einen Schritt weitergekommen ist. Es bietet dann auch Orientierung für Lehrkräfte, Eltern und Schüler.

 

In welcher Beziehung steht das Leitbild einer Schule zu ihrem Schulprogramm?

 

Ines Stade:

Schulprogramm ist eigentlich etwas, was ich Strategieentwicklung nennen würde, so, wie man es in der Organisations-Entwicklung nennt. In der Schulentwicklung hat man das dann Schulprogramm genannt. Da hat man ja oft diese Pyramide. Ganz oben befindet sich die Vision. Die Vision ist etwas anderes als das Leitbild. Für mich ist die Vision noch etwas größeres. Darunter würde ich das Leitbild setzen. Aus dem Leitbild ergeben sich die Strategien, mit der Frage danach, wie das Handeln ausgerichtet sein soll. Und aus den Strategien ergeben sich Ziele, und schließlich muss ich natürlich die Maßnahmen und die Umsetzungsschritte überlegen. So würde ich Schulentwicklung definieren – im Idealfall.

 

Wie sollten Schulen bei der Leitbildentwicklung vorgehen?

 

Ines Stade:

Ich denke, dass es beim Leitbildprozess sinnvoll ist, sich beraten zu lassen. Den meisten Schulen fällt es sicherlich schwer in drei Sätzen zu sagen, was sie eigentlich ausmacht. Da hilft es natürlich, wenn jemand Externes drei, vier einfache Fragen stellt und hilft, dass nicht ganz kompliziert geantwortet wird und nicht in alle Richtungen ausgeschweift wird, sondern die Beteiligten sich stark auf die Kernaussagen begrenzen.

 

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